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6. Juli 2015

Erwartungen

Was ist das eigentlich immer mit diesen Erwartungen ? Sobald man etwas plant, sobald etwas ansteht, sind sie da. 

Es ist dunkel. Wir rennen. Bis das Wasser unsere Beine umkreist. Unsere Körper verschluckt.
Heute Nacht sind wir unsterblich. 
Doch in Wahrheit sitze ich am Strand. Du bist irgendwo anders. Mit irgendjemand anders. Und die Zeit verstreicht. Einfach so. Wir können nichts dagegen tun. Können es nicht wieder zurückdrehen und anders machen.

Alles was uns bleibt sind die Erinnerungen. An das was war. An all die Momente, die wir erlebt haben. Die Erwartungen sind letztendlich egal. Hinterlassen Enttäuschungen. Aber manchmal auch Überraschungen. Weil wir nie damit gerechnet haben. Es uns nicht mal erträumen hätten können. 

Wir stehen in der ersten Reihe. Nach und nach kommen sie auf die Bühne. Zwischen uns nur ein paar Meter Entfernung. Diese Stimme. Wir schweben. Lassen uns in ihren Worten fallen. Bis sie auf einmal vor uns stehen. Wir hören ihre Worte. Riechen ihre Körper. Sehen in ihre Augen. Und reden mit ihnen. Fassen sie an. Jetzt sind sie wie wir. Einfach da.

Der Moment soll nie vergehen. Doch er vergeht viel zu schnell. 

5. Mai 2015

Weil sie anders waren

Gesichter. Überall. Vertraute. Unbekannte. Lächelnde. Weinende. Mit verzogenen Mündern. Sie sprechen. Blinzeln. Niesen. Verbergen. Verzweifeln. Lügen. Jeden Tag sieht man neue Gesichter. Andere sind dir so vertraut wie dein eigenes. Doch gab es einen Tag, da gehörten sie zu den Neuen, zu den Unbekannten.

Das erste Mal, als ich dir begegnete, nahm ich dich nicht wirklich wahr. Ich saß neben dir. Hielt die Schultüte in der Hand. Wir waren aufgeregt. Es war der erste Tag, der unser Leben veränderte.

Standest du neben mir. Im Bus. Ich wusste, wer du warst. Ich kannte deinen Namen, auch die Person, die sich dahinter verbarg. Doch traute ich mich nicht, dich anzusprechen. Als ich es dann tat, bremste der Bus. Ich verlor das Gleichgewicht. Stolperte nach vorne. Spürte, wie mir die Wärme ins Gesicht schoss. 

Hast du auf einer Bank gesessen. Aus Stein. Du hattest mir den Rücken zugedreht. Konntest mich nicht sehen. Ich habe dich aus dem Fenster beobachtet. Deine Haare waren etwas länger. Du hast dich umgedreht. Nach mir gesucht. Unsere Blicke trafen sich. 

Wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich hatte dich gesucht. Habe geplant, dich hier zu treffen. Doch hatte ich mir nichts überlegt, was ich dir erzähle. Die ersten Worte, die ich zu dir sagen würde. Wir waren von Leuten umgeben. Leute die du kanntest. Ich kannte sie nicht. Neugierige Blicke ruhten auf uns. Ich wollte, dass sie verschwinden. Alle. Ich war die Neue. War noch interessant. "Wer ist das denn ?," fragte sie mich. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich es noch nicht. 

7. April 2015

Ich laufe den Weg entlang, spüre die winzig kleinen Kieselsteine unter meinen Füßen. Man sieht hier viele Leute, die sich in alle Richtungen verteilen. Doch mein Blick bleibt bei einem hängen. Ich sehe ihn an, überlege, wie alt er wohl sein mag. Er könnte genauso alt sein wie ich, sieht jung und sportlich aus. Seine Haare sind kurz geschnitten, aber auch ein bisschen zottelig. Er kommt auf mich zu. Kommt mir Stück für Stück näher. Ich blinzle und erkenne, dass er gar nicht jugendlich ist, sondern ein erwachsender Mann. Er wirkt erschöpft und sieht müde aus. Seine Augen sind von dunklen Ringen untermalt. Auch haben sich ein paar Falten auf seinem Gesicht niedergelassen. Die Zeit, in der er jung war, in der ihm alles offen stand und er so viele Pläne hatte, was er in seinem Leben machen möchte, liegt weit hinter ihm. Vielleicht hat er es geschafft, seine Ziele zu verwirklichen und hat sein Leben gelebt, so wie er es sich immer erträumt hatte. Doch vielleicht denkt er auch gerade an all das, was er vor hatte, an all die Chancen, die er nicht genutzt hat und an den Berg voller unbezahlter Rechnungen, der zu Hause auf ihn wartet. Und redet sich ein, dass er trotz allem glücklich sein kann, da er Arbeit hat und ein Dach über dem Kopf, doch gleichzeitig spürt er dieses stechende Gefühl, das jeden einzelnen Tag an ihm nagt. 

6. April 2015



Es ist wirklich seltsam, wie das Leben funktioniert. Jahrelang lebt man in seiner kleinen Welt, kennt die Namen und Geschichten ihrer Einwohner. Man hat so vieles getan, um sich seinen eigenen Platz herzurichten. Und dann, wenn man ihn ganz kurz verlässt, hat man dieses Gefühl.. Niemand hier kennt deinen Namen und auch nicht die Geschichte, die du über all die Jahre, auf weißem Papier geschrieben, mit dir herum trägst. Und du weißt, hier beginnt etwas ganz Neues. Du stehst am Anfang und du musst nur diesen einen Schritt gehen, um deine neue Geschichte zu schreiben. Wie sie aussehen wird, liegt ganz bei dir.

20. Januar 2015

weil es so einfach ist.


Du redest über diese Dinge, als würden sie dich nichts angehen. Als wären sie nur vorübergehend kaputt und würden sich schon von allein reparieren. Als wäre es ganz natürlich, dass sie so sind. Doch wenn etwas kaputt ist, dann kann man sich nicht, der Einfachheit halber, damit abfinden und sie so akzeptieren, nur weil man sich zu bequem ist, sie wieder in Ordnung zu bringen. Ich bin mir sicher, dass man diese Dinge reparieren kann, aber dazu muss man sich die Zeit nehmen, herauszufinden, wo das Problem liegt, um es mit dem richtigen Werkzeug zu beheben.