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5. Mai 2015

Weil sie anders waren

Gesichter. Überall. Vertraute. Unbekannte. Lächelnde. Weinende. Mit verzogenen Mündern. Sie sprechen. Blinzeln. Niesen. Verbergen. Verzweifeln. Lügen. Jeden Tag sieht man neue Gesichter. Andere sind dir so vertraut wie dein eigenes. Doch gab es einen Tag, da gehörten sie zu den Neuen, zu den Unbekannten.

Das erste Mal, als ich dir begegnete, nahm ich dich nicht wirklich wahr. Ich saß neben dir. Hielt die Schultüte in der Hand. Wir waren aufgeregt. Es war der erste Tag, der unser Leben veränderte.

Standest du neben mir. Im Bus. Ich wusste, wer du warst. Ich kannte deinen Namen, auch die Person, die sich dahinter verbarg. Doch traute ich mich nicht, dich anzusprechen. Als ich es dann tat, bremste der Bus. Ich verlor das Gleichgewicht. Stolperte nach vorne. Spürte, wie mir die Wärme ins Gesicht schoss. 

Hast du auf einer Bank gesessen. Aus Stein. Du hattest mir den Rücken zugedreht. Konntest mich nicht sehen. Ich habe dich aus dem Fenster beobachtet. Deine Haare waren etwas länger. Du hast dich umgedreht. Nach mir gesucht. Unsere Blicke trafen sich. 

Wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich hatte dich gesucht. Habe geplant, dich hier zu treffen. Doch hatte ich mir nichts überlegt, was ich dir erzähle. Die ersten Worte, die ich zu dir sagen würde. Wir waren von Leuten umgeben. Leute die du kanntest. Ich kannte sie nicht. Neugierige Blicke ruhten auf uns. Ich wollte, dass sie verschwinden. Alle. Ich war die Neue. War noch interessant. "Wer ist das denn ?," fragte sie mich. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich es noch nicht. 

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